Die traditionelle koreanische Medizin

Diese uralte Heilkunst stützt sich auf vier wesentliche Methoden:

1. Akupunktur
2. Moxibution bei chronischen Krankheiten
3. Kräutermedikamente
4. Atemtechnik (Kur)

Wohl etwa 5000 Jahre alt kam die Akupunktur um 1970 auch nach Europa und hat mittlerweile in die westliche Medizin Eingang gefunden. Entsprechende Studienfächer werden angeboten, in Untersuchungen wird sie wissenschaftlich erforscht, in der Anwendung auch weiter entwickelt. All das hat aber die Tiefe dieser Behandlungsmethode bisher nicht erfassen können.

Mit den im Westen bekannten und angewandten Behandlungstechniken der traditionellen asiatischen Medizin richten Ärzte und Heilpraktiker hauptsächlich auf die Schmerzlinderung oder die Behandlung anderer akuter Symptome. So konnte kaum jemand die umfassende Heilmethode der asiatischen Akupunkturlehre begreifen und durchdringen (verinnerlichen). Es besteht also weiterhin Unwissenheit bei Anwendern und Patienten, der im folgenden Text etwas abgeholfen werden soll.

Die asiatische Medizin sieht nicht nur das Symptom sondern geht der Ursache der Störung auf den Grund mit der Frage, welche Balancen in den körperlichen und geistigen Systemen gestört sind. Dysfunktionen und Erkrankungen von Organsystemen werden ganzheitlich betrachtet, beziehen also auch die Psyche, die Seele und den denkenden Geist mit ein.

Schulmediziner sprechen von 10 Organgruppen, in der asiatischen Medizin werden 12 Organe genannt und betrachtet. Der Zustand dieser 12 Organe – und damit der eines Menschen – hängt davon ab, wie groß, wie klein, wie stark oder schwach ein Organsystem ist und auch davon, in welchem psychischen oder Gemütszustand ein Patient sich befindet.
Auf den Gesundheitszustand eines Menschen hat seine psychische Verfassung großen Einfluss. So kann dauernde Wut krank machen, genauso wie andauernde Traurigkeit oder Angst.
Um das näher zu erklären soll jetzt beschrieben werden, wie die psychische Verfassung eines Menschen auf den energetischen Fluss zwischen den Organsystemen wirkt wie auch auf den in einem einzelnen dieser Systeme.

Wenn z.B. jemand zu sehr in Äußeren lebt, zerstreut sich dessen Energie und ist für seinen Energiehaushalt verloren. Das schwächt sein Herz. Ist man wütend, wobei Energie aufgewirbelt wird, überanstrengt (beeinflusst) das die Leber. Bei zu vielen Sorgen verdichtet sich die Körperenergie und verstopft die Energiebahnen der Lunge. Bei zu vielen Gedanken, im Grübeln, setzt sich die Energie ab wie Schlamm. Permanente Traurigkeit stört so den Energiefluss zum Pankreas.

Das alles sind Beispiele dafür wie Gemütszustände auf unseren Energiekreislauf einwirken und uns krank machen können.

Neugierde und Desinteresse, Aktivität und Trägheit, Freude und Trauer, Erfolg und Versagen, Liebe und Hass, Furcht und Mut: diese 12 genannten Willen und Gemüter entsprechen den 12 Meridianen, somit den 12 Organsystemen.

In Korea wurde eine Akupunkturmethode von einem Mönch mit Namen Sa-Ham Doin entwickelt. 13 Jahre lebte er in andauernder Meditation in einer Felsenhöhle. Während dieser Zeit erkannte er, dass Organe krank werden, wenn der gleichmäßige Fluss (der Energie) gestört wird, wie in stürmischen Wellen alles aufgewühlt oder wie im stagnierenden trägen Gewässer sich der Schlamm am Grund absetzt. Diese Störung des gleichmäßig fließenden Stromes (Meridian) führen zur Disharmonie und letztlich Krankheit des Menschen.

Ein Ungleichgewicht entsteht auch durch falsche Kleidung, schlechte Ernährung und ungesundes Wohnen. Auch die Gier in unserer Gesellschaft, immer mehr haben zu wollen, führt zu Disharmonie und Krankheit. Der natürliche Zugang des Menschen zu Kreativität, Ästhetik, Leidenschaft und Sexualität ist unterbrochen. Intelektuelle und immaterielle Begierden wie Stolz, Ehre, Rechthaberei, Gier oder immer mehr wissen zu wollen haben das Gleichgewicht zerstört. Das, was wir haben, was vorhanden ist, reicht nicht aus. Immer mehr, immer mehr muss es sein.

Sa-Ham Doin erkannte, dass im Normalzustand eines Menschen die 5 Willen und 7 Gemüter in einem stabilen Gleichgewicht sind, einem optimalen Zustand zum Erhalt unserer Gesundheit.

 

Vorbeugen ist besser als Heilen

Unwohlsein und Müdigkeit von Geist und oder Körper signalisieren eine Schwäche unseres ganzen physischen und psychischen Systems. Hier kann eine Ruhephase helfen. Ebenso gleicht die Akupunktur aus und stabilisiert den Menschen.

Die 12 Organsysteme oder Meridiane wirken zusammen wie die Dauben eines Weinfasses. Fällt ein Organsystem aus übernimmt ein benachbartes dessen Funktion und das Leck ist geschlossen. Mit der Beschädigung weiterer Dauben wird das ganze Weinfass löchriger, das ganze Organsystem also immer schwächer und eine Krankheit entsteht, wenn 50 % des gesamten Systems ausgefallen sind.

Um unseren Körper gesund zu erhalten bedarf es weiterhin der Harmonie der 4 Elemente, die sich wie in der Natur auch in unserem Körper wiederfinden. Die koreanische Medizin sagt, dass diese 4 Elemente die 4 Schätze unseres Körpers sind: Energie (Chi), Blut (Chöl), Yin (Um) und Yang. Wenn diese 4 Elemente gut miteinander verbunden zirkulieren ist unser Körper lebendig und kraftvoll, gespeist wie von einer guten Batterie.

Gleichzeitig bedeutet zu leben, dass wir auch Energie verbrauchen. Und so ist es wichtig durch gute Ernährung und in Ruhephasen dafür zu sorgen, dass sich die Batterie wieder aufladen kann. Hier ist eine vorbeugende Akupunktur sehr hilfreich.

Wenn die Harmonie der 4 Elemente – durch was auch immer – gestört wurde, zeigt unser Körper Reaktionen. Die erste Stufe davon nennen wir Stress, den wir psychisch empfinden und den wir auch körperlich spüren.

In der zweiten Stufe zeigen sich physische Störungen wie Hautveränderungen, Verdauungsprobleme mit Verstopfung oder Durchfall, starkes oder plötzliches Schwitzen, Müdigkeit, Herzjagen, Kurzatmigkeit oder auch Vergesslichkeit.

In der dritten Stufe zeigen sich beginnende Krankheitszustände wie Kopfschmerzen, Störungen der Periode bei Frauen, Kreuz- und Schulterschmerzen, niedriger oder zu hoher Blutdruck, verengte Blutgefäße, Erkältungen, das Gefühl, ausgebrannt zu sein.

In der vierten Stufe entstehen dann schmerzhafte Gelenkentzündungen, Steinbildungen in Hohlorganen, Geschwüre, Leberentzündung und –verhärtung, Herzkrankheiten und auch Tuberkulose.

Zuletzt, in der fünften Stufe, kann es dann zu Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs kommen.

Wie wir sehen können, hat die erste Stufe innere oder äußere Ursachen, die den Energiefluss stören. Wenn die Symptome jetzt nicht behandelt werden, wird der Organismus stärker belastet und wir bekommen Schmerzen. Wird in der vierten Stufe nicht therapiert, werden wir bedrohlich krank. Nun ist es aber auch so, dass ein Krankheitsverlauf nicht immer die einzelnen Stufen nacheinander durchläuft. Es kann auch zu sprunghaften Verschlechterungen kommen, beispielsweise von Stufe eins in Stufe vier oder fünf!

Wenn Koreaner spüren, dass die Lebensenergie schwächer wird, was sich in Müdigkeit, körperlicher oder geistiger Überanstrengung zeigt, nehmen sie stärkende Mittel (Boyak). Das können Kräutermedikamente sein oder sie gehen zur Akupunktur. Beide, Kräuter und Akupunktur, aktivieren die Energie des Körpers, die zuvor geschwächt war.

Die wichtigste Pflanze hierfür ist Ginseng. Die Akupunktur der 12 Meridiane ist ebenso hilfreich, besonders die der Meridiane, die der Grundenergie (Won Chi) entsprechen, nämlich Pankreas- und Lungenmeridian.

Wir nennen einen Zustand Blutleere, indem das Gesicht blass wird und manchmal Schwindel auftritt. Es liegt dann eine Funktionsstörung des Blutkreislaufs vor, in der wenig Blut gebildet wird, also ein Blutmangel besteht. Um das zu heilen wird das Pulver von zerriebenem Hirschgeweih eingenommen. Das Blut gewinnt wieder an Energie. Durch Akupunktur wird das Blut tonisiert, indem der Dünndarm-, der Leber- oder der Herzmeridian genadelt wird.

Wenn dem Körper Flüssigkeit fehlt, er also trocken wird, entsteht Hitze – in der asiatischen Medizin Mangel an Yin (Um) genannt. Akkupunktiert werden dann die Organe, die der Yin-Energie zugeordnet sind, vorrangig der Pankreasmeridian.

Wenn dem Körper seine Grundenergie fehlt, sie aufgebraucht ist, ist das ein Yang-leerer Zustand. Der Körper kühlt fühlbar ab, die körperlichen Funktionen sind verlangsamt, schwächer und eingeschränkt. In diesem Fall wird die Yang-Energie durch Akupunktur der entsprechenden Meridiane oder als Besonderheit hier die zu starke Yin-Energie durch Nadelung abgeschwächt.

 

Warum gerät heutzutage die Energie der vier Elemente so schnell aus dem Gleichgewicht?

Unser modernes Leben ist durch die Entwicklung der Zivilisation sehr bequem geworden. Diese Annehmlichkeiten können unserem Körper aber auch zum Nachteil gereichen. Dadurch, dass viele Arbeit von Maschinen oder Computern geleistet wird, scheint zwar alles einfacher, aber der Körper wird dadurch auf sehr unnatürliche Weise beansprucht und leidet darunter. Gleichzeitig belastet die Umweltverschmutzung unsere Nahrungsmittel und das Wasser. Wir nehmen diese verschmutzten Energiespender auf, was unsere Systeme weiter schwächt.

Für diese Schwächung gibt es auch eine innere Ursache, den Stress. Konkurrenz und Konflikte am Arbeitsplatz und in den Familien bringen viel Unruhe in unser Leben. Ebenso die 5 Süchte, wie sie die asiatische Medizin sieht: Geld, Sex, schlafen, das Essen, der Ruhm. Dazu die 7 Gemüter: Freude, Trauer, Liebe, Hass, Angst, Geiz und Wollust.
Ein Mensch wohnt in diesen modernen Zeiten also mit erheblichen geistigen, emotionalen und körperlichen Belastungen, die die Geschwindigkeit verdoppeln, in der sich die Kraft und Energie der vier genannten Schätze Chi, Blut, Yin und Yang schneller verbrauchen und damit verloren gehen.

 

Der Wochenrhythmus

Eine Woche hat 7 Tage. Man könnte sagen, dass es zufällig so festgelegt wurde. Dem ist aber nicht so. Diese 7 Zahlen sind zugeordnet Yin (Um), Yang und den 5 Elementen Feuer, Wasser, Holz, Metall und Erde. So also: 2+5=7.

Der Sonntag ist der Sonne, dem Yang, zugeordnet. Montag, dem Mond, also Yin. Der Dienstag ist der Feuer-Tag. Mittwoch ist Wasser-Tag (an dem die Koreaner traditionell Wasser sparen). Donnerstag ist Holz-, Freitag Metall-Tag. Am Sonnabend ist der Tag der Erde.

Nach dem Erde-Tag soll ein Mensch sich ausruhen, um die Yang-Energie wieder aufzuladen. Ein lebender Mensch ist Yang, ein erschöpfter ist Yin. Die Nacht ist Yin, der Tag Yang. Wer am Tag (Yang) arbeitet, soll in der Nacht (Yin) ruhen. Der Grund hierfür ist, dass der menschliche Rhythmus primär dem des Kosmos entspricht. Die Phase der Yang-Energie im Verlauf von 24 Stunden beginnt abends um 23 Uhr. Um in diese Energie zu kommen, sollte man sich bis zu dieser Zeit schlafen gelegt haben.

Heute kann dieser Rhythmus von vielen Menschen nur schwer eingehalten werden, weil die Arbeitszeiten in zwei oder gar drei Schichten angelegt werden und auch viele Freizeitgewohnheiten diesen Rhythmus durcheinander bringen.

Alle diese genannten äußeren und inneren Umweltverschmutzungen quälen unsere Körper und Seelen. Aus diesem Grund sollten wir einmal bis zweimal im Monat die oben genannten Systeme auf den Zustand ihrer energetischen Harmonie untersuchen lassen und in Behandlung gehen, wenn Störungen festgestellt wurden.

Wenn uns das tägliche Leben schon durch so viele Einflüsse belastet, ist es wichtig Behandlungsmethoden zu wählen, die frei von Nebenwirkungen sind. Kräuter, andere natürliche Zubereitungen und Akupunktur sind hierfür bestens geeignet.